Pfarrverbandskonzert

Klingende Vielfalt

Zuerst war viel aufgeregtes Geraschel, bis alle Gruppen ihren Platz gefunden hatten. Als dann aller Augen erwartungsvoll nach vorne blickten, ertönten hinein in die Stille die ersten KlĂ€nge einer Ziach aus der Höhe. Das Zaiseringer BlĂ€serquartett ließ auf der Empore den „Honigmond“ von So&So aufgehen, groß und nach und nach, Instrument fĂŒr Instrument, bis alle da waren.

Zwei ganze HĂ€nde voll mit Gruppen, Chören und Solisten aus dem Pfarrverband hatten die Organisatorinnen Marita Dhom und Franziska Kapfinger am 23. April in MariĂ€ Himmelfahrt zusammengebracht – und dabei noch eine Auswahl treffen mĂŒssen, um die Vielfalt im Rahmen eines Pfarrverbandskonzerts ĂŒberhaupt abzubilden: vom Jugendchor ĂŒber Ortsgruppen wie das Schwaberinger Instrumentalensemble der Simsseerosen (mit Pixners „Augenstern“ und „What a wonderful world“) bis zu ausgebildeten Profis war alles dabei. Diakon Eugen Peter fĂŒhrte mit kurzen Gedanken zu den MusikstĂŒcken durch den Abend.

Um das Ganze kompakt zu halten, traten die Kirchenchöre Vogtareuth und Zaisering gemeinsam auf und wagten sich, dirigiert von Umi Stephan, sogar an das japanische Volkslied, das æĄœ, die KirschblĂŒte besingt. Begleitet wurde der Chor von Martina Schmidmayer bzw. Organistin Elisabeth Asböck, die ihre Harfe sowohl als Soloinstrument („You raise me up“) als auch zur Begleitung des Straßkirchener Dreigesangs dabei hatte. Christine Gassner, Marianne Kink und Maria Weiß sind ein bestens aufeinander eingesungenes Trio, das wie selbstverstĂ€ndlich klingt; ihrer Auswahl („Wohin sonst“ von Thea Eichholz-MĂŒller und „Freude kommt aus Dir“) gaben sie diesmal eine ganz pointierte Dynamik. Daniela Schmidmayer wiederum begleitete ihren Vogtareuther Jugendchor selbst auf der Gitarre. „HoamatgfĂŒhl“ und „Fix you“ zieht der Ă€ltere Teil dieser Gruppe schon stimmsicher aus dem Repertoire, der andere, erfreulich große Teil ganz junger Stimmen holt aber auf und hĂ€lt bereits gekonnt mit.

Jugendchor Vogtareuth

Der Kirchenchor Prutting-Schwabering ist ein pfarreiĂŒbergreifender Doppelchor, der lange schon als gemeinsame Einheit singt; entsprechend schwungvoll nahm er mit „What a day“ das Publikum mit, am Keyboard geleitet von Elisabeth Engelsberger, die außerdem Christina Gerstberger-Heß zu Schuberts „FrĂŒhlingsglaube“ begleitete – eine bei aller KlangfĂŒlle sehr schön bewegliche Sopranstimme. Womit wir in der klassischen Abteilung angelangt wĂ€ren, die an diesem Abend vor allem von der Eschlbeck-Schmidmayer’schen Camerata Musica reprĂ€sentiert wurde, einer Familienformation, die wir bereits beim Passionskonzert Anfang April erleben durften. Auch diesmal zeigten sich die KammerkĂŒnstlerinnen und -kĂŒnstler als Allrounder, sowohl stimmlich (wie bei „Der Herr ist groß“ von Heinrich SchĂŒtz) als auch instrumental (wie beim Largo aus dem Bach-Konzert fĂŒr zwei Violinen d-Moll).

Und dann? Dann gab es noch eine gewaltige Überraschung. Der Zaiseringer Jugendchor hatte erst im Februar noch zum Mitsingen aufgerufen – dabei gilt als ausgemacht, dass Kathi Geidobler, Christina Tippl und Michael Wagner auch eigenhĂ€ndig ein Lobpreis-Programm gestemmt hĂ€tten. Nun aber stand auf einmal ein gutes Dutzend junger SĂ€ngerinnen auf den Altarstufen und rockte MariĂ€ Himmelfahrt dermaßen, dass es spĂ€testens bei der Hillsong-Hymne „Awesome God“ ganz unmöglich war, sich dem Sog dieser musikalischen Brandung zu entziehen.1

Jugendchor Zaisering

Schön war auch, dass sich nach diesem Höhepunkt noch einmal alle Gruppen im Chorraum zum gemeinsamen Abschlusslied und großen Finale mit Volksgesang versammelten. Das Zaiseringer BlĂ€serquartett war mittlerweile gelandet und auch Michael Drechsler von den Simsseerosen kam noch einmal ganz nach vorne, um den Lead-Part von „Oh happy day“ anzustimmen. Allerdings war dies nicht die letzte logistische Großleistung, denn beim anschließenden Beisammensein im Pruttinger Pfarrheim galt es noch, die ebenfalls aus dem gesamten Pfarrverband beigesteuerten Köstlichkeiten und HĂ€ppchenteller zu orchestrieren. Ein sehr schöner, sehr vielfĂ€ltiger Abend fand damit einen sehr schönen, sehr vielfĂ€ltigen Abschluss.

Florian Eichberger, Marita Dhom
Fotos: fe, Elisabeth Thusbaß

1 Dabei hatte Zaisering sogar auf die Lightshow verzichtet. Technik und VerstĂ€rkung funktionieren jedenfalls auch in der Kirche, wenn sie derart sauber ausbalanciert sind und mit einem so feinen GespĂŒr fĂŒr effektvolle Dramaturgie eingesetzt werden. Der barocke Pruttinger Hochaltar macht auf seine Art nichts anderes. Wir haben dazu extra noch mit HĂ€ndel, Vivaldi und Beethoven telefoniert – und ja: Jeder davon hĂ€tte Boxen aufgetĂŒrmt, samt Laserchoreografie und Trockeneisnebel.

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