Zum 21. Sonntag im Jahreskreis

Ein Sonntagsgottesdienst im Urlaub

Im Urlaub eine Kirche zu betreten, sich umzuschauen, eine Kerze anzuzünden und ein Gebet zu sprechen, ist für mich und viele Touristen „Standardprogramm“. Aber einen Gottesdienst mitzufeiern? Es ist doch Urlaub, und die Sprache versteht man ja auch nicht. Doch warum nicht? Auch im Urlaub ist Sonntag.

Bei unseren Urlauben in Kroatien entdeckten wir einmal den Hinweis „Sonntagsgottesdienste für Urlauber“. Das machte uns neugierig.

Über Stufen führte der Weg zu einer Anhöhe, auf der eine kleine Kapelle mit Glockenturm stand. Der Altar war im Freien aufgestellt, und zum Sitzen dienten Stühle und Steinreihen. Herrlich – ein Gottesdienst mit Ausblick auf die einzelnen verschlungenen Buchten und das glitzernde, schimmernde Meer im Untergang der Sonne! Da geht einem das Herz auf! Überrascht stellte ich auch fest, dass sich immer mehr Menschen einfanden. Trotz Urlaub am Sonntag zum Gottesdienst?!

Ich freute mich über die vielen Mitfeiernden, und mir wurde bewusst: Ich sitze und stehe neben Menschen, deren Sprache ich nicht verstehe, doch wir sprechen die gleichen Gebete – nur jeder in seiner Sprache. Ein schönes Gefühl der Gemeinschaft und der Verbundenheit im Glauben! Der liturgische Ablauf ist der gleiche, das gibt Sicherheit, und ich fühle mich nicht fremd. Bei der Lesung und dem Evangelium horche ich immer wieder auf, wenn Namen und Orte fallen, die ich kenne. Ich bete bei den Fürbitten mit, obwohl ich sie nicht verstehe, aber es sind die Anliegen aller Christen. Dem Nachbarn reiche ich zum Friedensgruß die Hand, lächle und spüre das gegenseitige Versprechen. All dies erfüllt mich mit Lob und Dank für das wunderbar Erlebte.

Centa Friedrich

(Dieser Beitrag ist zuerst im Sommer-Pfarrbrief 2020 erschienen, für die Online-Publikation wurde er leicht gekürzt.)

Veröffentlicht in Glauben.

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