Seit Menschengedenken werden Kräuter und Blumen zum Wohl von Körper, Geist und Seele eingesetzt. „Die Kraft deines Körpers liegt in den Säften der Kräuter“ – diese Weisheit geht auf den mythischen chinesischen Kaiser und Kulturbringer Shennong zurück. Pfarrer Sebastian Kneipp sagte es so: „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.“

Der Brauch des Kräuterbuschenbindens wurzelt auch in der heidnischen Tradition der Kelten und Germanen. Im Rhythmus und im Einklang mit der Natur lebend sammelten sie schon damals zur Sommermitte – wo die Heilkraft am stärksten ist – Kräuter und banden sie zu Buschen. Diese Tradition wurde später mit dem Christentum verbunden. Seit dem Jahr 813 gehört Mariä Himmelfahrt fest zum liturgischen Kalender und ist eines der ältesten Marienfeste.
Der Brauch der Kräuterweihe an diesem Festtag geht auf eine Legende zurück: Als die Apostel drei Tage nach Marias Tod das Grab öffneten, war dieses leer. Maria war mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden. Das Grab aber war voll wohlriechender Blumen und Kräuter. Zum Gedenken an dieses Wunder werden jedes Jahr Kräuterbüschel gebunden, am Frauentag im Gottesdienst gesegnet und zu Hause im Herrgottswinkel oder auch im Stall aufgehängt.
Bei uns in Vogtareuth trifft sich jedes Jahr am Vortag des Hochfestes die Vorstandschaft der Frauengemeinschaft mit weiteren fleißigen Helferinnen, um aus den gesammelten Kräutern und Blumen wunderschöne Sträuße zu binden. Dieses gemeinsame Binden fand erstmals im Jahr 1999 unter der Vorstandschaft von Ingrid Bock und Christa Bader statt. Nachzulesen ist, dass 2001 die Mitglieder der Vorstandschaft 48 Kräuterbüschel fertigten, die am Himmelfahrtstag in der Kirche gesegnet und am Kirchenportal gegen eine kleine Spende abgegeben wurden. Die Nachfrage nach den Kräuterbüscheln war so groß, dass sie im Nu vergriffen waren.
Mittlerweile ist aus dieser Aktion eine Tradition geworden – die Anzahl der angebotenen Gebinde hat sich im Laufe der Jahre verdoppelt. Für die Sträuße können klassische Heilkräuter verwendet werden – Schafgarbe, Johanniskraut, Kamille, Salbei, Dost, Ringelblume, Getreide, Rosen, Sonnenblume, Wegwarte und viele mehr. Aber auch Pflanzen wie der Sommerflieder oder das Berufkraut (Feinstrahl) haben eine Heilwirkung. Das Herzstück jedoch sollte immer die Königskerze sein. Allein das Sammeln der Blumen und Kräuter tut der Seele gut, genauso wie das gemeinsame Binden der wohlriechenden Sträuße.
Im Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt ist dann der ganze Kirchenraum erfüllt vom Duft der Heilkräuter und Blumen. Anschließend werden sie gesegnet und gegen eine kleine Spende angeboten. Die Einnahmen spendet die Frauengemeinschaft für soziale Zwecke.
Mögen die geweihten Kräuter uns vor Krankheit und Unheil schützen und Glück und Segen in unsere Häuser bringen.
Gebet zu Maria Himmelfahrt:
„Wir danken für die Schöpfung.
Segne, Gott, die Kräuter und Blumen,
die wir bringen, und segne
und heile auch uns.“
Irmi Sewald
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