Die Leute sollen sich ins Gras setzen

Zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Die Gelegenheit ist günstig und das heutige Evangelium (Mt 14,13–21) ein guter Anlass, um ein paar Sorgen zu zerstreuen.

Ich meine die Sorgen um unsere liebe Kirche. Die Sorge, weil es weniger Gottesdienste gibt. Weil die Gläubigen weniger werden. Weil die Pfarrer noch weniger werden. Und die anderen geistlichen Berufe auch. Und dann ist auch noch Corona dazugekommen, also weniger Ostern, weniger Musik, weniger Pfingsten, weniger Fronleichnam, weniger Prozession, weniger Weihwasser.

Ins Gras setzen (ein Baumstamm geht auch).

Wie viel von alldem brauchen wir? Ich meine, dass wir heute gesagt bekommen: Gar nicht viel. Dazu jemanden, der den Lobpreis spricht. Und Leute, die nicht davonrennen.

Im Gottesdienst haben wir heute die bekannte Geschichte von der Speisung der Fünftausend gehört: Jesus teilt fünf Brote und zwei Fische, er teilt sie und teilt sie aus. So wird aus den fünf Broten und zwei Fischen Überfülle, und „alle aßen und wurden satt.“

Wir selbst hätten das wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, wir sind ja nicht blöd. Das sieht ja ein Blinder, dass fünf Brote und zwei Fische hint’ und vorn nicht langen. Da ist es gescheiter, wir gehen woandershin. Schnell, schnell!

Da nützt dann das schönste Wunder nichts, wenn die Leute weglaufen. Jesus wundert sich vielleicht und sagt:

„Sie brauchen nicht wegzugehen.“

Unsere liebe Kirche, nämlich wir, hat alles, was wir brauchen, damit wir satt werden: das Wort Gottes. Also teil’s aus und schau, ob es langt. Teil’s und gib es weiter, dann wirst du schon sehen, dass es nicht zu wenig ist. Du kannst es nehmen und staunen, auch wenn es dir einfach die Nachbarn geben, die neben dir im Gras sitzen. Dieses Wunder ist ziemlich leicht selbst zu erleben und ganz leicht selbst fortzusetzen.

Das können wir tun, auch wenn wir uns abgelegen vorkommen und das Gefühl haben, dass es Abend wird, dass es schon spät ist. Setzen wir uns ins Gras. Teilen wir, was uns gegeben ist. Es wird das Beste sein.

Florian Eichberger

Veröffentlicht in Glauben.

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