Sozialdienst katholischer Frauen

Häusliche Gewalt oder „nur“ ein Streit?

Gestritten wird in beiden Fällen, aber was dem Streit vorausgeht und wie der Streit verläuft, ist grundsätzlich völlig unterschiedlich.

In dieser Corona-geprägten Zeit wurde in den Medien immer wieder von einem Anstieg der häuslichen Gewalt berichtet. Wir müssen uns häusliche Gewalt sehr differenziert ansehen, und sie ist nicht zu verwechseln mit den zunehmenden Konflikten in den derzeit extrem belasteten Familien. So ist ein heftiger Streit nicht unbedingt eine Form von häuslicher Gewalt und häusliche Gewalt ist nicht nur als eskalierender Streit zu sehen.

Aber wie können wir häusliche Gewalt von einem heftigen Streit unterscheiden?

Bild: Aimee Vogelsang – Unsplash
Bild: Aimee VogelsangUnsplash

Die Stressfaktoren für Familien haben sich durch Homeschooling, Homeoffice und die Reduzierung der sozialen Kontakte immens gesteigert. So kann Stress ein Auslöser von häuslicher Gewalt sein, muss es aber nicht sein. Wichtig ist, den grundlegenden Unterschied zwischen Streit und Partnerschaftsgewalt zu erkennen.

In einer reifen Partnerschaft ist ein Streit eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, bei dem die Regeln der Fairness, der gegenseitige Respekt und die Akzeptanz der Unterschiedlichkeit gewahrt bleiben. Hier übernehmen beide Partner die volle Verantwortung für die Beziehung und den Ablauf der Auseinandersetzung. Daher ist fair Streiten eine „hohe Kunst“ und will gelernt sein. Es stellt für Paare immer wieder eine große Herausforderung dar und ist eine wesentliche Grundlage für ein gesundes Miteinander. Streiten kann man lernen, muss man sogar lernen, um beziehungsfähig zu sein und zu bleiben.

Kritisch ist es immer, wenn Paare überhaupt nicht streiten. Wie gehen sie mit ihren grundlegenden Unterschieden um?

Gibt immer eine nach, setzt sich immer einer durch,* und ist das der Ausdruck eines Machtgefälles in der Beziehung?

Da kommen wir dem Thema häusliche Gewalt schon näher.

Hier befinden sich die Partner nicht mehr auf Augenhöhe. Hier trifft einer die Entscheidungen und die andere fügt sich. Hier übt ein Partner übermäßige Dominanz aus, und die andere unterwirft sich. Hier setzt einer rücksichtslos seine Bedürfnisse durch und die andere fühlt sich genötigt, diese zu erfüllen.

Das kann eine Zeit lang „gut gehen“, doch nicht über Jahre.

Immer mehr entwickelt sich der eine Partner zu Angreifer, zum Täter, zum aggressiven Schädiger und die Partnerin zieht sich immer mehr zurück und entwickelt sich zur Geschädigten.

Die Geschädigte lebt zunehmend in einer Atmosphäre, geprägt von der Angst vor häuslicher Gewalt. Ihr gesundes Selbstvertrauen baut sich ab, sie verliert zunehmend aus den Augen, sich zu schützen, und ihre Wehrlosigkeit nimmt zu. Gleichzeitig fühlt sie sich allein verantwortlich für die zunehmende Gewalttätigkeit in der Beziehung. Sehr häufig flüchtet sie aus dieser Unerträglichkeit in einen Zustand emotionaler Taubheit bis hin zur Depression.

So verlässt das Paar die Ebene des Kontaktes auf Augenhöhe, die anfängliche Schieflage verstärkt sich im Laufe der Zeit, und die Übergriffe werden immer häufiger und heftiger.

Der Täter sieht in diesen eskalierenden Auseinandersetzungen überwiegend sich, seine Bedürfnisse und Wünsche und setzt diese mit aller Macht durch. Diese selbstbezogene Dominanz nimmt im Laufe der Zeit zu, und wenn die Partnerin ihn nicht mit ihren gesunden Grenzen konfrontiert, sondern sich zunehmend zurückzieht, ist das der Nährboden für häusliche Gewalt. Diese Dynamik muss unterbrochen werden, um häusliche Gewalt zu vermeiden.

Das SkF-Frauenhaus Rosenheim und Traunstein schützt Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt, ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar, nimmt betroffene Frauen rund um die Uhr auf und berät auch telefonisch. Unser Anliegen ist es, Eskalationen von häuslicher Gewalt zu vermeiden, indem Frauen und Kinder frühzeitig geschützt werden.

Dieses Rund-um-die-Uhr-Angebot ist nur möglich durch die Unterstützung unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Wenn sie Interesse an einem Ehrenamt im Frauenhaus, im Kinderbereich oder in der Rufbereitschaft haben, rufen sie uns an! Wir senden Ihnen Infomaterial über unsere Infoabende zu. Haben sie Fragen zu häuslicher Gewalt, können sie sich jederzeit an uns wenden. Wir beraten Sie gern:

Sozialdienst katholischer Frauen – Frauenhaus Rosenheim
Tel. 08031-381478 oder frauenhaus-rosenheim@skf-prien.de

Katharina Oberländer

SkF Frauenhaus Rosenheim

* Anmerkung der Redaktion: Weil es zum ganz überwiegenden Teil Männer sind, die zu Hause in der Partnerschaft Gewalt gegen Frauen ausüben, haben wir das sprachlich im grammatischen Geschlecht auch durchgehend so abgebildet. fe

Veröffentlicht in Pfarrverband.

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