Zum Karfreitag

Ein Vater berichtet:

„Ich war mit meiner kleinen Tochter im Ausland in einem Geschäft. Auf dem Schild über den Porzellanfiguren stand übersetzt: ‚Nicht berühren!‘ Aber das Verlangen war stärker als die Warnung. Meine Tochter griff nach einer dieser Figuren und sogleich fiel diese zu Boden. Als ich um die Ecke bog, war es längst zu spät. Der Inhaber des kleinen Geschäftes stand neben ihr. Sein Blick war mürrisch und vielsagend. Über den beiden hing das Verbotsschild.

Eine angespannte Stimmung beherrschte den Raum. Und allmählich kullerten meiner Tochter die ersten Tränen herunter. Mir war klar, ich musste nun eingreifen. Meine Tochter hatte noch kein eigenes Geld, womit sie die Schuld hätte begleichen können. Und der Ladenbesitzer kannte keine Gnade. ‚Was bin ich ihnen schuldig?‘, fragte ich an.

In mir kam die Frage auf: ‚Warum schulde ich ihm eigentlich etwas?‘ Ganz einfach. Es war meine Tochter. Und weil sie die Figur nicht bezahlten konnte, tat ich es.“

Diese Geschichte hat mich an Karfreitag erinnert. Ein anderer bezahlt für die Menschen, auch für mich. Trotz meiner ständigen Verfehlungen, meinem Zurückbleiben hinter meinen Möglichkeiten, meiner Fehler und meiner Schuld – weicht er nicht von meiner Seite.

Er kennt mich – durch und durch.

Er mag mich – viel mehr, er liebt mich.

Ich bin wie ein Kind für ihn.

Karfreitag ist ein Tag der Trauer. Karfreitag ist aber auch ein Tag der Hoffnung. Dies soll er in unserer jetzigen Zeit gerade für die Menschen sein, die Angst haben, die sich große Sorgen machen und bei denen auch so manches zerbrochen erscheint.

Für das Seelsorgeteam
Diakon Eugen Peter

Porzellanscherben

Bild: Stiftung Leuchten­burg, Peter Weide­mann (Foto). In: Pfarr­brief­service.de


Erste Lesung: Jes 52,13–53,12

Zweite Lesung: Hebr 4,14–16; 5,7–9

[An dieser Stelle befanden sich ursprünglich die Biteltexte aus der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift (2016). Die Rechte daran hält die Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart, die die Wiedergabe für derartige Zwecke befristet genehmigt hatte. Wir haben die Texte, ebenso wie die Hausgottesdienstvorlagen, die diese Passagen ebenfalls enthalten, mittlerweile wieder gelöscht, weil das Risiko einer Urheberrechtsverletzung jetzt zu groß ist. (red)]

Passion

(Die Passion ist im Pfarrverband heuer als Hörspiel erlebbar.)

Veröffentlicht in Glauben.

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