Joh 8,1–11

Ich verurteile dich nicht

Die Wort-Gottes-Feier vor der KLJB-Jahreshauptversammlung am 13. März hatten Diakon Hans Mair und die Vogtareuther Landjugend gemeinsam vorbereitet. Auch die Predigt hielten sie gemeinsam: als Dialogpredigt.

DIAKON: Liebe Jugendliche, liebe Kinder, liebe Erwachsene!

Wir stecken unsere Mitmenschen oft in Schubladen. Wir urteilen über andere und dies meist vernichtend. Für die Betroffenen ist es fast unmöglich, aus so einer Schublade wieder herauszukommen und für uns ist es schwer, sie wieder herauszulassen. Die Angst, ein Fehlverhalten eingestehen zu müssen und dabei das Gesicht zu verlieren, lässt keine Zugeständnisse zu.

Das Evangelium des heutigen 5. Fastensonntags hat auch so ein Schubladendenken im Visier. Als Thema des Jugendgottesdienstes, der von einer Firmgruppe, gemeinsam mit der Landjugend vorbereitet wurde, haben wir eine Aussage aus dem heutigen Sonntagsevangelium ausgewählt:

„Ich verurteile dich nicht.“

Zu Beginn des Gottesdienstes haben uns die Firmlinge Beispiele eines pauschalen Schubladendenkens vorgestellt, Beispiele aus unseren Tagen, Pauschalbeispiele über die Jugend:

KLJB-Wort-Gottes-Feier am 13.3.2016

Kombinierter Firmlings- und KLJB-Chor

  • Die Jugend geht nicht mehr in die Kirche!
  • Die Jugend redet nicht mehr miteinander,
    jeder hängt nur noch an seinem Handy und tippt herum!
  • Der Jugend ist das Brauchtum nichts mehr wert!
  • Der Jugend ist die Gemeinschaft der Familie nichts mehr wert!

MARKUS: Sog a moi, segst du eigentli de Jugend vo heid a so negativ?

FLORIAN: Wos mia machan, ist doch ganz normal. De Zeit heid is hoid a moi anders wia friara. Des war ja oiwei scho a so, dass de Jugend a bissl anders denkt hod. I glaab a, wenn des net so waar, gang nix vorwärts im Leben.

STEFAN: Ma hod heid hoid andere Möglichkeiten. Friara san de Leit a ned blos wega eanam Seelenheil in Kirch ganga. Beim Ratsch aufm Kirchaplotz noch da Kirch hod ma schließlich ausgmacht, wos ma duad am Sonntag.

MARKUS: Ja und wennst do ned dabei warst, host nix gwisst.

FLORIAN: Des ko ma se heit gar nimma vorsteyn. A kurze Nachricht in WhatsApp oder Faceboock, und i erreich auf oamoi alle meine Freind. Aufn Kirchaplotz dad i blos de Vogtareita dawischn.

STEFAN: Freili, de Gschicht mitm gemeinsama Mittagessen macht ma scho a bissl zum Denga. Es is scho a gfährli, dass de Jugend sich ausklinkt. Do miahd se de Mama ob, steyd se am Sonntagvormittag an Herd und schaugt, dass Mittag wos Guads zum Essn gibt, damit wenigstens am Sonntag de Familie no oamoi beinand is, und na sitzt s’ do min Papa alloa am Tisch.

MARKUS: Es is scho verständli, dass da Mama des schwarfoid. Sie bemüht se, sie mecht an Zusammenhalt der Familie, und de ganze Müh werd ignoriert. Es is scho verständli, dass sie se ned ernst gnomma fühlt.

DIAKON: So eine ähnliche Situation beschreibt die Geschichte, die wir zur Lesung gehört haben. Da sind zwei Freunde, die eine Wüstenwanderung unternehmen. Die Wüste ist der Ort der Entbehrung, der Ort, an dem die Grenzen des Lebens und des Zusammenlebens erfahrbar werden.

In der Geschichte ist nicht beschrieben, wie lange die beiden unterwegs waren. Sie enthält auch keine Aussage, was alles vorgefallen war, bis es zu der Affekthandlung gekommen ist. Aber eine Wüstenwanderung ist eben nicht ein gemütlicher Spaziergang von Vogtareuth nach Straßkirchen. Und wenn, warum auch immer, die Nerven blank liegen, kommt es zu Reaktionen, die einem letztendlich selbst unverständlich sind. Die Folge so einer Affekthandlung wird in der Geschichte mit einem lapidaren Satz zum Ausdruck gebracht: „Der Geschlagene war sehr gekränkt.“ Und der Geschlagene schrieb seine Kränkung in den Sand: „Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen.“

Trotz der unverständlichen Affekthandlung und trotz der Kränkung des Geschlagenen mussten die beiden die Wanderung gemeinsam fortsetzen. Sich zu trennen und alleine in der Wüste unterwegs zu sein, hätte das Überleben schwer, vielleicht sogar unmöglich gemacht.

MARKUS:I glaab, des is heid no genauso. Es gibt Situtionen im Leben, de kemman oan vor, wiar a Wüstnwanderung.

FLORIAN: Und oft kimmst da dann vor, wia wennst grod a Watschn eigsteckt hest, weil de ebba im Stich lossn hod, vo dem du des nia erwart heddst.

STEFAN: I deng da a an de Landjugendarbat. Do miahst de obi, werglst und duast. Schaugst dass a de oidn Bräuch dahoitn bleim, und es mog neamand mitmacha.

MARKUS: Do foid ma a Beispui ei: Friara is ma zum Glepfesinga ganga. Do ham se Leid zsammagfundn, ham Liada eigübt und ham se an de Donnerstag im Advent aufn Weg gmacht. Heid macht da do oanfach koana mehr mid.

FLORIAN: Für Halloween kost’as begeistern. ’S Glepfen is nimma in. Und mia stengan dazwischn. Gema Glepfen, hama de Jugend gega uns. Veranstaltma Halloween, bring ma de Erwachsenen auf die Barrikaden.

STEFAN: Oda: Organisiern mar a Party, san de Leid do. Brauch ma Leid zum Osterkerznbasteln, dann beißts aus.

MARKUS: Des san dann de Watschn, de ma do eistecka miaßn, so wie da oane in der Wüste. Und dann liegn a so manches moi a bei uns de Nervn blank.

DIAKON: Die Geschichte zeigt einen Weg auf, wie man aus solchen Situationen wieder herauskommt. Der Geschlagene schrieb seine Kränkung in den Sand, der Gerettete ritzt seine Freude in einen Stein. Der Wind des Verzeihens löscht die Kränkung wieder aus, heißt es in der Geschichte. Was jedoch in Stein geritzt ist, bleibt ewig bestehen.

Eine Kränkung bleibt eine Kränkung. Sie kann nicht ungeschehen gemacht werden, und deshalb sollte man sie vermeiden. Aber wenn es menschelt und die Kränkung passiert, dann dürfen wir unsere Gefühle nicht festmeißeln, dazu fordert uns die Geschichte auf.

Im Evangelium zeigt uns Jesus selbst, auf seine drastische Weise, was es heißt, Fehler nicht unauslöschlich in Stein zu meißeln: Da wurde eine Frau beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt, wie es der Evangelist Johannes beschreibt. Das Gesetz des Mose ist in so einem Fall gnadenlos. Auf die Frau sind so lange Steine zu werfen, bis sie tot umfällt – ein grausamer und langsamer Tod.

Jesus stellt das Gesetz nicht infrage. Für Jesus gilt eine andere Fragestellung: Wer ist berechtigt, als Henker aufzutreten, wer also darf mit dem Werfen der Steine beginnen?

Und Jesus beantwortet diese Frage auch gleich selbst: Berechtigt ist derjenige, der selber keine Schuld hat, also derjenige, der noch nie in seinem Leben etwas falsch gemacht hat, also derjenige, der noch nie darauf angewiesen war, dass ihm verziehen wurde. Und da kommt von allen Anwesenden nur einer infrage: ER – Jesus selbst. Alle andern müssen gehen.

KLJB-Wort-Gottes-Feier am 13.3.2016

Geh und …

KLJB-Wort-Gottes-Feier am 13.3.2016

… ändere dein Leben!

„Ich verurteile dich nicht“, sagt Jesus zu der Frau, „ich werfe keinen Stein auf dich!“

Die Anklage, die gegen dich erhoben wurde, habe ich in Sand geschrieben. Auf den Stein habe ich festgeschrieben: „Ich verurteile dich nicht.“ Schon deshalb kann ich den Stein nicht auf dich werfen.

Der abschließende Satz des Evangeliums gilt allen Beteiligten: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Ändere dein Leben, du, die du gerade dem sicheren Tod entronnen bist. Ändere dein Leben, du, der du gerade feststellen musstest, dass du auch nicht schuldlos bist.

Dieser abschließende Satz gilt auch uns hier und heute:

Geh und ändere dein Leben!

Denn auch uns gilt, was Jesus zur Bedingung gemacht hat, um auf andere mit Steinen werfen zu dürfen: Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.

Kategorie(n): Glauben, KLJB VOG, Vogtareuth.