Säuseln im Burger Moos

Eine Stegwanderung hinter die Stille

Als es am 23. Oktober dunkel wurde, standen bei Vettl ca. 20 Leute und lauschten. Gemeindereferentin Katharina Hauer und die Zaiseringer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Regina Summerer hatten die diesjährige Stegwanderung nämlich als Weg durch die Stille konzipiert. Stille ist aber nicht einfach nichts. Hinter der Stille, sagte Hauer zum Eingang, kann man Gott erfahren.

Stegwanderung am 23.10.2015

Lichterweg ins Moor
(Bild: Franziska Kapfinger)

Schweigend machte sich die Gruppe, darunter auch Pfarrer Guido Seidenberger, auf den allein von Kerzenlichtern markierten Weg ins Burger Moos und über den Brettersteg bis zur Plattform, wo das Schilf raschelte und Lukas Herzog einen ersten Text vom Wert der Stille vorlas. Von Ferne hörte man noch die Autos auf der Staatsstraße, einmal auch einen Motor auf der Pruttinger Seite. Wo dann der befestigte Weg in den Waldpfad übergeht, konnte man leise Flötentöne vernehmen, die langsam näherzukommen schienen. Dabei waren wir es, die mit vorsichtigen Schritten unseren Ohren folgten, bis wir Lena Kapfinger mit der Querflöte im Laub stehen und spielen sahen.

Ein zweiter Leseimpuls erhellte überraschend den Zusammenhang von Stille und Aktivität, von Schweigen und Übung: „Stille erfahren nur aktive Menschen“, sagt der Meister bei Notker Wolf* zum Novizen. Man mochte an dieser Stelle daran denken, wie Meditation, Litanei und Rosenkranz wirken und wie durch Wiederholung die erste Bedeutung der Worte verrauscht, sodass dahinter sich eine Stille im eigenen Gebet öffnen kann; keine Leere, sondern, wie Hauer eingangs sagte, der Hörraum einer möglichen Gottesbegegnung: „Ein Mensch, für den Aktivität und Gebet zusammengehören und der beides täglich ausübt, verändert sich durch die Kraft dieser Übung.“ (Der Schwaberinger Franziskus-Abend mit Christian Schmidberger (OFM) ging übrigens ganz in dieselbe Richtung.)

Stegwanderung durchs Burger Moos

Mond- und Kerzenlicht

An der dritten Station las Katharina Hauer aus der Schrift, von Elija, den Gott herausruft, als er sich auf dem Berg Horeb in der Höhle versteckt (1 Kön 19,9 ff.):

„Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.“

Freilich blicken wir zum Himmel, wenn’s donnert. Aber wir erfahren dann höchstens, ob es regnet. Gott kommt leise und ist dort, wo wir es nicht vermutet hätten.

So war der Abend der Stille am Ende ein Abend der Fülle, als wir plaudernd und Teelichter einsammelnd den Rückweg antraten, nicht ohne uns von Herzen bei Regina Summerer, Katharina Hauer und Lena Kapfinger zu bedanken, die zum Abschied noch eine kleine Zugabe in petto hatte. Vielen Dank dafür!

Florian Eichberger


Notker Wolf ist nicht nur Abtprimas und damit oberster Benediktiner, sondern auch leidenschaftlicher Musiker (Gitarre und Querflöte) mit eigener Rockband („Feedback“).

Kategorie(n): PGR ZAI, Veranstaltungen, Zaisering.

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