Joh 20,19–23

Pfingstsonntag

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

in alten Sprachen ist das Wort „Geist“ oft ein ähnliches Wort wie das Wort „Wind“. „Geist“ und „Wind“ sind oftmals eng miteinander verwandt. Wir alle haben es im Alltag – und ihr sicher auch – schon erfahren: Ein Wind, er weht, wo er will, er bewegt die Bäume, er treibt die Wolken und er wirft, wenn es ein Sturm ist, auch manchmal einen Ziegel vom Dach. Ja, der Wind, er ist zwar nicht sichtbar, aber er ist spürbar und er wird indirekt sichtbar. Aber niemand kann ihn so richtig fassen.

Hl. Geist in St. Emmeram, Vogtareuth
Spiritus Sanctus in St. Emmeram

Ähnlich, könnte man sagen, ist es mit dem Geist, mit dem Heiligen Geist: Niemand kann ihn sehen, aber er wirkt dennoch, was er will. Er bewirkt etwas – und wir können ihn erfahren und somit feststellen.

Ähnlich ist es eben mit dem Heiligen Geist. Und von diesem Heiligen Geist können wir sogar in einem zweifachen Sinn sprechen: entweder, wenn es um das Wesen Gottes geht, wenn wir versuchen, ihn in seinem Wirken, dem göttlichen Wirken zu beschreiben oder wenn wir direkt dieses göttliche Wirken betrachten.

Und doch: Es bleibt ein Geheimnis für uns, und ich meine, liebe Schwestern und Brüder, dass wir vielleicht oft auch Geistvergessene sind. Der Heilige Geist, er ist, könnte man sagen, der Dritte im Bunde: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Kommenden Sonntag feiern wir ja nochmals die Dreifaltigkeit, die Dreieinigkeit. Doch der Heilige Geist ist immer der, der – so wie ich es meine – fast zu kurz kommt. Von der liturgischen Reihenfolge, vom liturgischen Rang her ist das Pfingstfest wesentlich nachgeordnet hinter den Hochfesten: Ostern und Weihnachten – dann kommt Pfingsten. Eigentlich, wenn man es genau nimmt, ist es sozusagen ein Anhang an das Osterfest. Ostern feiern wir bis zum Pfingsttag 50 Tage, Weihnachten feiern wir ebenfalls für eine lange Zeit – alles Christus-Feste. Und Pfingsten selbst? Wir feiern es letzten Endes an zwei Tagen: heute der Pfingsttag und morgen noch der Pfingstmontag sind ein Rest der sogenannten Pfingstoktav. Der Heilige Geist, er scheint uns eben nicht bewusst zu sein, weil er nicht so greifbar ist. Jesus Christus, er hat gelebt, ist Mensch geworden – durch den Heiligen Geist. Aber er ist fassbar als eine Person. Die Schriften des Neuen Testamentes, sie sprechen viel von ihm. Ja, und Gott Vater, er füllt die ganze Heilige Schrift, von ihm ist immer wieder die Rede. Jesus berichtet von ihm und alle Schriften im Alten Testament gehen zurück auf ihn. Doch was ist mit dem Heiligen Geist?

Der Heilige Geist, er kommt eben immer nur zwischen den Zeilen vor, könnte man sagen. Der Heilige Geist ist aber die Wirkkraft Gottes. Der Heilige Geist ist, wie es in der Genesis schon beschrieben ist, der Geist, der über den Wassern schwebte. Es ist nicht der Schöpfende, Gott der Schöpfer, aber der Geist, der da ist von allem Anfang. Der Heilige Geist ist es, der Jesus Christus ins Leben bringt: Maria empfängt über den Heiligen Geist Gottes Sohn. Der Heilige Geist ist es letzten Endes auch, der von Jesus Christus den Jüngern verheißen wird und der eben am Pfingsttag herabkommt und die Jünger erfüllt. Der Heilige Geist ist es, der uns allen geschenkt ist.

Doch oft ist es eben etwas Unbewusstes, wenn es um den Heiligen Geist geht. Wenn wir uns jetzt versammeln zum Gottesdienst, dann sind wir im Heiligen Geist versammelt. Wenn wir beten, tun wir es immer im Heiligen Geist. Ja, der Heilige Geist hat eine indirekte Präsenz. Und doch durchwirkt er und bewirkt er alles. So wie er die Verbindung ist zwischen Gott Vater und Jesus Christus, so ist der Heilige Geist auch für uns diese Verbindung, dass wir mit Gott in Kontakt treten. Wir müssen vielleicht manchmal uns noch mehr bewusst machen, dass es dieser Heilige Geist ist, dass er eine solche Präsenz hat – wie der Wind, den wir zwar spüren, aber nicht sehen können. Und das ist eben das Schwierige. Was wir nicht schauen, ist schwer für uns zu fassen.

Der Schlusssegen des heutigen Festtages bringt das auch in Worte: Der Heilige Geist, er führe uns vom Schauen zum Glauben. Nur im Heiligen Geist können wir glauben. So bekennen wir es. Und der Heilige Geist ist es, der uns zur Heiligkeit führt, zur Schau Gottes, zur Begegnung mit ihm.

Liebe Schwestern und Brüder, der Heilige Geist ist auch der, den wir nicht vergessen dürfen. Auch das fordert die Heilige Schrift von uns ein: Sie ermahnt uns, nicht den Heiligen Geist zu vergessen. Wer den Heiligen Geist vergisst, der ist verloren.

Machen wir uns alles wieder neu bewusst, dass unser Handeln aus dem Heiligen Geist heraus geschieht, dass er es ist, der alles bewirkt. Seien wir nicht Geistvergessene, sondern Geistbekräftigte, Geistbedachte! Wir haben ihn empfangen, wir dürfen ihn wirken lassen. Die Firmung hat das besiegelt, was die Taufe in uns eingeleitet hat. Im Heiligen Geist sind wir berufen zur Heiligkeit Gottes. – Amen.

Konrad Roider

Veröffentlicht in Glauben.

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