Die Leidensgeschichte Jesu – ein Neuversuch

Was ist die Konsequenz eines Karfreitags?

In unserer Themenreihe „Musik und Besinnung“ versuchen wir, neue Wege zu gehen. Am Karfreitag steht jedes Jahr die Leidensgeschichte Jesu im Mittelpunkt. Unsere Kirchenmusikerin Elisabeth Engelsberger, geb. Freiberger, hat versucht, die Lesung der Passion auf die heutige Zeit zu übertragen, was ihr sehr gut gelungen ist.

Die Leser der verschiedenen Rollen schafften es, die Besucher mit in das Geschehen zu ziehen. Musikalisch wurde der Abend in Schwabering enorm aufgewertet durch die beeindruckende und wunderschöne Stimme der Sopranistin Christina Gerstberger.

Die Besucher hatten die Möglichkeit, auf einer Papierblume belastende Gedanken und Ängste in die Mitte zu schreiben und diese bei der Kreuzverehrung über das Kreuz zu streuen. Die Möglichkeit zum solidarischen Handeln bestand in Form einer Spende an den Jakobus Hospizverein. 277,71 Euro konnten für die Organisation gesammelt werden. Herzlichen Dank dafür!

Im abschließenden Epilog verdeutlichte Elisabeth Engelsberger den Menschen in der Schwaberinger Kirche die Konsequenz von Karfreitag: Wie Jesus Liebe schenken und die Bedürfnisse der Mitmenschen wahrnehmen!

Und dieser Epilog war so ergreifend und wurde bereits mehrfach bei mir nachgefragt, sodass wir ihn an dieser Stelle nochmals veröffentlichen wollen:

Vorbei! Vorbei der Lärm der Welt, das Schreien der Menge, die Hetze gegen ihn. Vorbei die tiefgründigen Gespräche mit seinen Freunden, das Philosophieren über die Welt, zusammen essen und trinken und vor allem zusammen lachen. Vorbei die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen, sie mit Essen zu versorgen und sie zu heilen. Vorbei das schöne gemeinsame festliche Essen am Tag vor seiner Auslieferung. Vorbei der Verrat, die Verleumdung, das Hin und Her zwischen der aufgebrachten Menge, den Hohepriestern und den Römern, der Urteilsspruch. Vorbei der stechende Schmerz am ganzen Körper, die Atemnot, die Todesangt, das langsame qualvolle Ersticken. Vorbei auch die Hoffnung der Jünger, die Hoffnung Marias, auch die Hoffnung des jüdischen Volkes.

Legen wir nun alle mit dem toten Jesus unsere Hoffnungen ins Grab, aber auch unsere Einsamkeiten, unseren Verrat, unsere Schuld und unsere Ängste. Denn die Angst ist es, welche uns oft Dinge tun lässt, die wir nicht von uns erwarten, so wie Pilatus. Die Angst ist es aber auch, welche uns zum Schweigen oder gar zum Verleugnen bringt, so wie Petrus. Doch wo bleibt die Hoffnung in diesem Drama? Was heißt das für uns? Jesus opferte sich für uns, genauso wie sich eine Mutter für ihr Kind, ein Mann für seine Frau, eine Krankenschwester für ihre Patienten opfert. Alle opfern sich aus der grenzenlosen Liebe heraus. Doch was macht die Aufopferung Jesu so besonders?

Die Liedzeile „Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann. Von seinem Angesichte trennt uns der Sünde Bann“ trägt die Bedeutung schon in sich. Sünde meint hier nichts anderes als ein Verweigern von Liebe. Durch die fehlende Liebe waren wir Menschen von Gott getrennt. Doch dadurch, dass Jesus alle unsere kleinsten Vergehen mit in den Tod nahm, hebt er diese Trennung zu Gott auf. Er baut die Brücke in ein neues Leben. Nun will er, dass wir ihm auf seinem Wegen in diese Welt folgen und ihm dabei helfen: Liebe schenken, andere wahrnehmen, uns öffnen – das ist Dienst für Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, das ist die Konsequenz eines Karfreitags.

Nun ist es an uns, die Liebe Jesu Christi in die Welt hinauszutragen und weiterzugeben. Und dies findet schon im Kleinen statt. Schenken wir der Person neben uns ein Lächeln. Ein Lächeln, so strahlend, dass man es alleine aus den Augen lesen kann! Schenken wir jedem, der uns nicht wohlwollend vorkommt, unser Wohlwollen. Fangen wir beim Nachbarn an. Wie geht es den Menschen, die neben uns wohnen? Brauchen sie Hilfe, Zuspruch oder einen Rat? Gehen wir auf genau die Menschen zu, mit denen wir vielleicht im Streit auseinandergegangen sind. Ist es eine Meinungsverschiedenheit wert, nicht mehr miteinander zu sprechen? Ist es nicht ratsam, die Zeit, die uns hier bleibt, zum Positiven zu nutzen? Gehen wir heute Abend hinaus und lasst uns das versuchen!

Elisabeth Engelsberger

An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Elisabeth Engelsberger und Christina Gerstberger sowie die Lektoren Anita Kronast, Hans März und Schorsch Plankl.

Christine Eckl in Namen der Vorbereitungsgruppe (mit Irmi März und Christine Opperer),
die sich schon auf einen weiteres Klang & Besinnung freuen. Hoffentlich bereits im Sommer!

Veröffentlicht in Schwabering.

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