Zum Weißen Sonntag (2. Sonntag der Osterzeit)

Eine wichtige Epoche in der jüdischen Geschichte war die Zeit des babylonischen Exils. Im Jahre 597 v. Chr. eroberte der babylonische König Nebukadnezar II. Jerusalem, zerstörte den Tempel und verschleppte viele Juden ins Exil. Neben all den Problemen, die diese Situation mit sich brachte, war natürlich auch die Ausübung der Religion betroffen. Es war im fremden Land nicht mehr so leicht möglich, nach den Weisungen Gottes zu leben. Der Tempel war im fernen Jerusalem und zerstört.

Trotzdem sollte diese Zeit einer der fruchtbarsten Zeiten der jüdischen Religion werden. Die Gläubigen konnten ihre religiöse Identität bewahren, indem sie sich auf das existenziell Notwendige ihres Glaubens besannen und auch Neues entstehen ließen.

Auch wir stehen heute vor großen Herausforderungen in unserer Religion.

Die Kirchen sind zwar geöffnet, aber es finden keine Gottesdienste statt! Es gibt keine Versammlungen und keine Sakramentenspendung. Das traf uns gerade an den Hochfesten der Kar- und Ostertage besonders hart. Auf vieles mussten die Gläubigen heuer verzichten.

Aber Gläubige und Kirche gingen kreativ mit der Not um. Und es entstand auch viel Neues. Kinder aus unserem Pfarrverband haben die Kinderpassion per Audiobotschaft gelesen. Auch die Orgel, das Exsultet, die großen Bitten am Karfreitag, manch lieb gewonnene Gesänge zu den geprägten Zeiten begleiteten auf diesem Wege unsere Andachten zu Hause. In der Hausgemeinschaft wurden Gottesdienste gefeiert und Speisen gesegnet. Aus den verschiedenen Kirchen wurden Gottesdienste im Fernsehen oder als Livestream übertragen. In manchen Gärten wurde ein kleines Osterfeuer entzündet. Der Ostermorgen bei Sonnenaufgang auf der Ratzinger Höhe gefeiert. Ein Morgenspaziergang in eine Kirche unternommen und ein Kerzerl angezündet. Mancherorts ist man in der Nachbarschaft näher zusammengerückt. Hat Lämmchen füreinander gebacken, Eier bemalt und vor die Tür gestellt. Wir haben einiges neu entdeckt, aber sicher auch vieles vermisst!

Wir haben den Tod und die Auferstehung Christi gefeiert. Und haben uns vielleicht – wie lange schon nicht mehr! – mit unseren eigenen Gedanken zum Thema Tod und Auferstehung auseinandergesetzt.

Die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche ist ein stabiles Gerüst, das unseren Glauben trägt, behütet und beheimatet. Es ist ein „Ort“, wo Glaube gefeiert, gelebt und weitergegeben wird.

Aber, wer Christus im Herzen trägt, der verliert ihn auch dann nicht, wenn der Tempel zerstört ist und kein Gottesdienst gefeiert wird. Wer Christus im Herzen trägt, der trägt das Osterfeuer in sich. Er wird dieses Feuer am Brennen halten und auch andere zu entzünden!

Katharina Hauer
für das Seelsorgeteam


Familien­haus­gottesdienst zum Weißen Sonntag

Familien­haus­gottesdienst zum Weißen Sonntag

Erste Lesung: Apg 2,42–47

Sie [die Gläubigen] hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.

Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.

Zweite Lesung: 1 Petr 1,3–9

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist.

Gottes Kraft behütet euch durch den Glauben, damit ihr die Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude, wenn es für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet. Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben, die kostbarer ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist, herausstellen – zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi.

Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude, 9 da ihr das Ziel eures Glaubens empfangen werdet: eure Rettung.

„Gottesdienst dahoam“ zum Weißen Sonntag

Gottesdienst dahoam“ zum Weißen Sonntag

Evangelium: Joh 20,19–31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.

Kategorie(n): Glauben, Pfarrverband.

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