Erscheinung des Herrn – Dreikönig

Sternstunde der frohen Botschaft

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Kinder, liebe Sternsinger,

was die drei Weisen aus dem Morgenland auszeichnet, das ist vor allem ihre Zielstrebigkeit. Ganz entschlossen gehen sie ihren Weg, sie wissen genau, was sie wollen. Der Grund: Sie haben einen besonderen Stern gesehen und sie ahnen, ja wissen, dass dieser Stern auf ein großartiges Ereignis hinweist, dass ein neues Zeitalter anbricht, dass ein König geboren wurde. Und sie wollen sich nun zu diesem König hin auf den Weg machen. Sie verlassen ihre Heimat, brechen auf, und dieser Weg führt sie wirklich zur Begegnung mit diesem König. Das war für die drei Weisen eine Sternstunde.

Heiligdreikönig Vogtareuth 2016

Heiligdreikönig-Vaterunser in St. Emmeram

Es ist auch für uns gut zu wissen, wohin wir wollen, was wir in unserem Leben wollen und worauf es uns ankommt, und dass wir uns dahin auch auf den Weg machen. Auch wir werden dabei geführt, wie die Weisen durch den Stern. Zum einen führt uns die innere Stimme, die uns sagt: „Ja, so ist es gut, darauf kommt es an.“ Die drei Weisen sind sicherlich auch ihrer inneren Stimme gefolgt. Dann sind da auch Menschen an unserer Seite, die für uns immer wieder Wegweiser sind – gute Freunde oder die Familie –, die uns immer wieder sagen: „Ja, schau mal dahin, darauf kommt es an.“ Und dann kann auch die Heilige Schrift uns immer wieder Hilfe und Orientierung geben.

Die Weisen, sie finden einen König, aber sie sind überrascht: Es ist kein König, der in einem Palast lebt, es ist ein Kind in der Krippe. Und dennoch spüren sie: Dieses Kind ist etwas Besonderes, ist ein König von einer ganz anderen Art. Kein König, dem es um Herrschaft, um Macht geht, sondern ein König, der da ist, um uns Menschen zu zeigen, wie Gott ist. Dieser König Jesus ist auch nicht ein König nur für ein bestimmtes Volk, sondern für alle Menschen. Er möchte für alle Menschen da sein.

Und die Weisen aus dem Morgenland spüren, dass Jesus ein König besonderer Art ist, dass in ihm Gott selber sich uns gezeigt hat und dass dieses Kind Frieden, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit in unsere Welt bringen will. Die Weisen haben auch Geschenke dabei für dieses Kind, Geschenke, die eine symbolische Bedeutung haben, die uns etwas sagen über dieses Kind in der Krippe:

Da ist zunächst einmal das Gold. Gold gehört zu den wertvollsten Materialien, die wir kennen. Und so ist auch dieses Kind ganz wertvoll für uns Menschen. Es wird auch schon deutlich: Jesus wird Großes vollbringen in seinem Leben, er wird uns die Nähe Gottes zeigen. So ist sein Wert für die Menschheit unschätzbar.

Außerdem bringen die Sterndeuter den Weihrauch mit. Wir kennen den Weihrauch ja aus dem Gebrauch im Gottesdienst, und die Sternsinger waren auch mit dem Weihrauch unterwegs, um damit die Häuser zu segnen. Weihrauch ist Ausdruck der Verehrung Gottes. Der aufsteigende Rauch erinnert uns auch daran, dass unsere Gebete zu Gott aufsteigen, dass sie bei Gott ankommen, dass Gott uns hört, mit dem, was uns bewegt. Ja, sie kommen an, weil Gott uns nahe ist, weil er sich uns zuwendet. Eine größere Zuwendung, als dass er selber Mensch wird, sich ganz klein macht, Kind wird, ist kaum vorstellbar.

Und wie dieses Kind Jesus die Welt verändern wird, das wird deutlich mit dem dritten Geschenk: der Myrrhe. Myrrhe ist ein Heilmittel, eine Arznei. Gott ist also Mensch geworden, um uns Menschen zu heilen. Jesus hat in seinem Leben Kranke geheilt, doch nicht nur von körperlichen Gebrechen. Seine Heilungen hatten einen ganzheitlichen Charakter. Jesus hat Menschen befreit, aus ihren Ängsten, von dem, was sie belastet. Er hat Menschen Sünden vergeben und ihnen so einen neuen Anfang geschenkt. Ja, Jesus wollte den Menschen das Heil Gottes zeigen. Und dieses Heil bezieht sich nicht nur auf körperliche Gebrechen, sondern auf den ganzen Menschen. Es geht um eine umfassende Befreiung von uns Menschen. Und diese wird allen zuteil, keiner wird hier ausgeschlossen oder ausgegrenzt. Ja, das ist die zentrale Botschaft von Weihnachten, liebe Schwestern und Brüder, auf diese Botschaft sind die Sterndeuter gestoßen. Das wurde für sie zu einer Sternstunde.

Ich wünsche uns allen, dass die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft von der Menschwerdung Gottes auch in unserem Leben immer wieder solche Sternstunden auslöst, Stunden der Freude, Stunden des Glücks. Dass wir immer wieder spüren: Dieser Gott ist ganz nahe bei uns und geht unseren irdischen Weg mit uns. Dass wir spüren: Er gibt uns Orientierung und er gibt unserem Dasein einen letzten Sinn, eine letzte Bedeutung.

Guido Seidenberger

Kategorie(n): Glauben, Pfarrverband.