Am 29. März führte Maria Wolfarth rund 30 Interessierte aus dem Pfarrverband, die sich vom strömenden Regen nicht abhalten ließen, zum Thema „Jüdisches Leben in Rosenheim“ durch die Innenstadt.
Wie der Gottesdienst am 26. Januar in Schwabering zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz vor 80 Jahren war diese Exkursion dem Anstoß von Edith Heindl zu verdanken, die auch selbst mit dabei war (Pfarrer Guido Seidenberger konnte krankheitshalber nicht mittun) und etwa zur Funktion jüdischer Feiertage als Festtage in der Familie erhellende Zusatzinformationen gab. So wichtig diese Themenführung ist – Maria Wolfarth macht sie unbeirrt seit langen Jahren –, so bitter ist die Erkenntnis, dass sie unvollständig bleiben muss ohne Blick auf die Täter im gründlich nationalsozialistischen Rosenheim, das zuvor schon die Gründung eines israelitischen Kultusvereins ebenso untersagte wie Gottesdienste und Bestattungen.


Der Weg führte vom Geschäftshaus Alexander Wiener und Isaak Camnitzer in der Münchener Str. 28, wo auf Privatgrund einige der wenigen Stolpersteine der Stadt verlegt sind, zu den Häusern und Schicksalen der Novemberpogrome 1938 am Ludwigsplatz und bis auf den Max-Josefs-Platz, wo auf der Nr. 17 Moses Fichtmann sein Geschäft hatte – der hämische Rosenheimer „Nachruf“ auf seine Vertreibung nach zahllosen Schikanen gehört zu den widerwärtigsten Zeugnissen aus dieser Zeit. Viele weitere Schicksale sind auf www.stadtarchiv.de nachzulesen, auch das von Elisabeth Block aus aus Niedernburg, deren Tagebücher 1993 unter dem Titel „Erinnerungszeichen“ ediert worden sind (beim Stadtarchiv gibt es die Ausgabe als PDF). In St. Nikolaus gibt es dazu eine Gedenktafel, auf der steht:
„Wir wissen bis heute nicht, wann und wo sie ermordet wurde. Diese beiden Fenster – oben und unten – sind Elisabeth Block, den aus Rosenheim vertriebenen Juden und allen jüdischen Opfern gewidmet.“
Maria Wolfarth sagt, dass auch viele Schulklassen diese Führungen gehen, und das ist gut so.
Florian Eichberger
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