Joh 21,1–19

Folge mir nach!

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

zu Beginn des Gottesdienstes habe ich gesagt: Rot ist die dominierende Farbe des heutigen Tages. Aber was ist es für ein Rot, das diesen Festtag der Apostel Petrus und Paulus so prägt? Rot, es ist die Farbe des Blutes, ja, man könnte sagen: der Tribut, den beide leisten, weil sie sich zu Jesus Christus bekennen. Und das ist es, was die zwei auch so vereint: das Sterben in Jesus Christus.

Das Leben der beiden, es war vollkommen unterschiedlich. Und dennoch verweisen sie beide, nicht nur durch ihren Tod, auf Jesus Christus hin. Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, es ist dasselbe Evangelium, das auch bei der Priesterweihe gestern verlesen wurde. Und einer der wichtigsten Sätze in diesem Evangelium ist wohl der Satz: „Weide meine Schafe! (Joh 21,16/17) Und der Schlusssatz: „Folge mir nach!“ (Joh 21,19) ‚Weide meine Schafe und folge mir nach!‘ – das sind die charakteristischen Aufgaben des Petrus, ja, es sind die charakteristischen Aufgaben für den Hirtendienst, für den, der zum Nachfolger Jesu Christi unter den Aposteln bestimmt wird, für den, der auch heute noch Stellvertreter Christi genannt wird: für den Papst.

St. Peter, Schwabering

St. Peter, Schwabering

Liebe Schwestern und Brüder, der Papst, er steht in dieser Tradition des Petrusdienstes. Vielleicht ist es auch interessant, am Gedenktag der Heiligen Petrus und Paulus einmal dieses Amt zu beleuchten. Und dennoch ist es nicht nur der Petrusdienst, das Papstamt, das hier aufstrahlt, es ist generell ein Amt, das uns alle auch betrifft. Immer wieder ist nämlich dieses Hirtenamt, dieses besondere Amt, besonders über den Titel „Stellvertreter Christi“, auch zu einem Amt des Anstoßes geworden. Gerade wenn wir auf das nächste Jahr ausblicken, auf das Jahr, in dem das Reformationsgedenken gefeiert wird, dann wird deutlich, wie umstritten dieser Titel ist. „Stellvertreter Christi“ meint aber nicht, in dem Sinn Stellvertreter zu sein, dass es eine Herausnahme, eine besondere Rolle ist, sondern „Stellvertreter Christi“ meint besonders im Hinblick auf den Bezug zu Jesus Christus diese Rolle innezuhaben – das, was Petrus und Paulus auch im Leben umzusetzen versucht haben: das Nachahmen Christi – so zu handeln und so zu leben, wie er es aufgetragen hat.

Das wird auch deutlich, wenn wir die erste Lesung (Apg 3,1–10) uns noch einmal in Erinnerung rufen. Petrus, er kann nur so handeln, weil er es eben tut im nachahmenden Sinn Jesu Christi. Es ist eine wunderbare Begebenheit, dass sie einen heilen können, der da einfach am Straßenrand sitzt, der so nichts mehr wert scheint. Und Petrus sagt zu diesem Menschen: ‚Steh auf, und geh umher! Gold und Silber kann ich dir nicht geben, aber im Namen Jesu Christi des Nazoräers steh auf und geh umher!‘ Ja, es ist ein Machtwort, das Petrus hier aussprechen kann, aber er tut es nicht aus sich heraus, sondern eben im Verweis auf den, der ihn dazu befähigt hat. Jesus Christus, er ist es, der dieses Wunder vollbringt. Er ist es, der diesem Menschen ein neues Ansehen, ja, die Heilung schenkt, das Heil schlechthin.

Ganz anders ist es bei Paulus. Paulus ist derjenige, der eigentlich nicht mit Jesus Christus zusammenkommt, ja, der von Anbeginn Jesus Christus verfolgt. Deshalb ist es das Besondere, dass ihm Christus noch erscheint. Und so geschieht dieser innerste Wandel des Paulus vom Verfolger zum Nachfolger Jesu Christi. Paulus ist derjenige, der dieses Intime Jesu Christi verspürt und deshalb sein ganzes Leben umkrempelt, der alles Vergangene sein lässt und nur noch auf Jesus Christus sich ausrichtet, in die Zukunft blickt.

Ja, dieser Blick auf Jesus Christus, er eröffnet das Neue. Er eröffnet das, wodurch so viele eben auch in der Treue zum Glauben, in der Treue zur Taufe auf Jesus Christus ihr Leben bestanden haben, bis hinein ins Martyrium, bis hinein in die Bluttaufe. Das, was Petrus und Paulus zum Ende ihres Lebens eben auch erfahren, was sie wiederum eint im Hinblick auf Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder, es heißt nicht, dass wir alle deshalb als Märtyrer sterben müssen. Märtyrer sein heißt nicht nur Blutzeuge sein. Märtyrer sein heißt als Erstes wortwörtlich übersetzt: Zeuge sein – eben Zeuge für den, auf den wir uns berufen, Zeuge für Jesus Christus. Wenngleich das Christentum nach derzeitigen Statistiken die meistverfolgte Religion in der Welt ist, die nach wie vor am meisten Blutzeugen aufzubringen hat. Zeuge sein in unserer Welt, in unserer Zeit – auch hier, im katholischen Bayern, wo wir meinen, es sei gar nicht so wichtig, den Glauben zu betonen. Doch mehr und mehr ist es eben auch in unserer Umwelt wichtig, darauf zu verweisen und Zeuge zu sein auch im alltäglichen Leben für die Botschaft des Glaubens, ja, das kenntlich zu machen, was unser Leben prägen soll, was unser Leben prägt. Zeuge sein in Jesus Christus, Zeuge, und damit dem Auftrag gerecht zu werden, den Petrus erfährt, den Auftrag, den Jesus uns allen ans Herz legt, den, den wir in der Taufe empfangen haben, das Wort Jesu: „Folge mir nach!“

Amen.

Konrad Roider

Kategorie(n): Glauben.